Das Stromdreieck (Variante 2)
Den Vorhaltewinkel berechnen
Was muss ich steuern um mein Ziel zu erreichen
In der terrestrischen Navigation ist die Variante 2 des Stromdreiecks der Klassiker für die tägliche Törnplanung. Während man bei der Variante 1 lediglich feststellt, wo man am Ende gelandet ist, geht es hier um aktive Kursplanung: Welchen Kurs muss ich steuern, um mein Ziel punktgenau zu erreichen?
In der Fachsprache nennen wir dies die Beschickung für Strom. Dabei berechnen wir den sogenannten Vorhaltewinkel (BS), um die seitliche Versetzung durch eine Strömung bereits im Voraus auszugleichen.
Die Ausgangslage: Was wir wissen und was wir suchen
Bei dieser Konstruktion stehst du vor einer anderen mathematischen Herausforderung als beim einfachen Mitkoppel-Verfahren.
Gegebene Werte (Die Fakten):
- KüG (Kurs über Grund): Das ist deine geplante Linie in der Seekarte. Du weißt exakt, welche Richtung du einschlagen musst, um die nächste Tonne oder Hafeneinfahrt zu treffen.
- FdW (Fahrt durch das Wasser): Du kennst die Leistungsfähigkeit deines Schiffes (z. B. 6 Knoten Marschfahrt durch das Wasser unter Maschine).
- StR & StG (Stromrichtung & Stromgeschwindigkeit): Diese Daten entnimmst du dem Gezeitenstromatlas oder den Stromangaben aus der Seekarte.
Gesuchte Werte (Das Ziel):
- KdW (Kurs durch das Wasser): Dein eigentlicher Steuerkurs. Das ist die Richtung, in die dein Bug zeigen muss (ohne Berücksichtigung der Beschickung Wind), damit die resultierende Bewegung dich auf der KüG-Linie hält.
- FüG (Fahrt über Grund): Deine tatsächliche Geschwindigkeit über Land. Diese ist entscheidend für deine ETA (Estimated Time of Arrival).
Die professionelle Konstruktion: Schritt für Schritt
Die grafische Lösung der Variante 2 unterscheidet sich deutlich von der einfachen Vektoraddition, da wir den Endpunkt des VdW noch nicht kennen. Wir nutzen stattdessen die Zirkel-Konstruktion:
1. Das Fundament: KüG und Strom
Zuerst zeichnest du von deinem aktuellen Standort (Startpunkt) eine Linie in Richtung deines gewünschten KüG. Dies ist deine "Soll-Linie". Anschließend zeichnest du – ebenfalls vom Startpunkt aus – den Stromvektor (VSt) ein. Achte darauf, dass die Stromrichtung immer "mit dem Strom" gezeichnet wird (wohin er setzt).
2. Der Zirkelschlag (Die FdW-Anpassung)
Da du zwar weißt, wie schnell du durch das Wasser fährst (FdW), aber nicht in welchem Winkel, nutzt du den Zirkel. Stelle den Zirkel auf die Länge deiner FdW ein. Setze nun die Zirkelspitze am Ende des Stromvektors an und schlage einen Kreisbogen in Richtung deiner KüG-Linie.
3. Der Schnittpunkt als Lösung
Dort, wo der Kreisbogen deine KüG-Linie schneidet, liegt dein Zielpunkt.
- Die Verbindung vom Ende des Stromvektors zu diesem Schnittpunkt ist dein VdW (Vektor durch das Wasser). Die Richtung dieser Linie ist dein gesuchter KdW.
- Die Strecke vom ursprünglichen Startpunkt bis zum Schnittpunkt auf der KüG-Linie ist deine tatsächliche FüG.
Interaktiver Vorhaltewinkel-Rechner der NautiApp
Kurs (KdW): -- ° | Fahrt (FdW): kn
Richtung: ° | Stärke: kn